Pit hat was für sein outfit getan, hat tief in die Tasche
seiner Oma gegriffen und
sich in der City eine Bomberjacke gekauft. Nun muß er sie und sich heil
heim in die
Satelittenstadt kriegen. Aber an der Bushaltestelle sind auch andere Typen,
die
scharf sind auf seine Jacke: Assis, Skins, Ausländer und so.
Wenn er sie in der Tüte läßt, ist er sie bestimmt los. Wenn
er sie unter seine alte
Jacke drunter anzieht, klemmt er den Schwanz ein. Wenn er sie offen anzieht
und
es drauf ankommen läßt, riskiert er, daß nicht nur seine
schöne neue Jacke,
sondern auch er selbst ein Loch hat. Sei's drum, oder?
Das Wichtigste in Kürze:
Mitspieltheater für Teenies
Thema: Gewalt, Fremdenfeindlichkeit
Zuschauerinnenzahl: 20 bis 50 Jugendliche
Alter: 13 bis 16 Jahre
Spielfläche: drinnen, im Kreis 4 m, keine Bühne
Öko-Tarif: möglich
Dauer: 50 - 90 Minuten
Premiere: 29.3.1995
Dokumentation
eines Auftritts in Dortmund am 30.1.2002 durch Jugendliche der Hip Hop AG gegen Gewalt - als Film
Raum:
In Räumen mit guter Akustik (keine Turnhallen) von mindestens
40 qm,
Die Aktionsfläche ist 4 m im Durchmesser groß und befindet
sich in der
Mitte des Raumes. Die Zuschauer sitzen im Kreis um die Aktionsfläche
herum. Kein Podest, keine Bühne, keine Verdunkelung erforderlich.
Technik:
In der Regel reicht die vorhandene Beleuchtung. Sollte die vorhandene
Beleuchtung nicht genügen, kann von mir auf Wunsch eine Lichtanlage
mitgebracht werden (220V, 15 Amp.) - dann allerdings kein Öko-Tarif!
Dauer:
50 bis 90 Minuten
Werbung:
3 Plakate A2 (Fotokopien) für Aufkleber geeignet, Presseinformation,
Pressenotiz gratis
zusätzliches Werbematerial auf Bestellung, gegen Berechnung:
Plakat A2 Fotokopie 1,50 €
Fotos 2.50 €
GEMA:
Die GEMA-Liste wird auf Wunsch zugesandt.
Besonderes:
Zum Befestigen der Bühnenbild-Requisiten an der Decke ist u.U.
nötig, vier
kleine Löcher in die Wände oder Decke zu bohren. Dies muß
gestattet
sein.
ein Mitspieltheaterstück für Teenies von und mit Stefan Kuntz
Zum Hintergrund und Thema:
Theaterstücke zum Thema 'Gewalt' gibt es zwar inzwischen einige,
aber immer
noch nicht genug, vor allem nicht genug Aufführungen.
Dieses Stück kommt nicht belehrend daher, auch nicht anbiedernd
oder
verharmlosend, sondern holt die Kids dort ab, wo sie sind mit ihren
Problemen.
Manche der 12- bis 16 jährigen Kids haben neben vielen anderen
Schwierigkeiten
auch das Problem, daß sie sich nicht mehr trauen, auf bestimmten
Wegen, U- oder
S-Bahn-Haltestellen ihre neuen Kleidungsstücke zu tragen - aus
Angst, sie würden
ihnen mit Gewalt abgenommen.
"Wir wollen ja normal aussehen, nicht auffallen, nicht wie die Glatzköpfe.
Jeder
kauft sich was anderes, sonst fallen wir ja auf und dann gibt es gleich
Zoff", er
klärte ein 15-jähriger Schüler bei den Mode-Recherchen
zum Theaterstück.
Mode ist ein Thema in dem Stück; das weitaus wichtigere Thema in
dem Stück
aber ist, wie man das teuer bezahlte Statussymbol auch benutzen kann.
Was nützt
die Jacke in einer Aldi-Tüte? Was nützt eine gebrochene Rippe?
Was nützt es, die
Jacke direkt nach dem Kauf schon wieder los zu sein?
Das sind die Fragen, die die Kids interessieren, das sind die Fragen,
zu denen sie
aus eigener Erfahrung Antworten wissen; mehr wissen als die meisten
von uns.
Dann kann (muß aber nicht!) das Publikum der Hauptfigur Pit Vorschläge
machen,
und alle diese Vorschläge werden ohne Wertung gespielt, aber nicht
wie in einem
Rollenspiel nebeneinandergestellt, sondern als Geschichte miteinander
verbunden.
Manchmal führen die Vorschläge in eine Richtung, wo klar
wird, daß diese Kids
auch mit Fremdenfeindlichkeit zu tun haben und daß das ein Grund
für Gewalt und
Verteidigung sein kann.
Die gemeinsam erarbeitete Geschichte führt dazu, daß die
zuschauenden und
mitagierenden Kids Gewalt und Gegengewalt als ein Problem verstehen
lernen,
daß nicht isoliert mit immer mehr Aufrüstung (Elektroschockern),
sondern nur
gemeinsam durch Solidarität (so altmodisch sich das auch anhören
mag)
angegangen werden kann. (thd/sk)
Autor & Spieler: Stefan Kuntz
Premiere: 29.3.95 in Köln